demo
Losung an einem Berliner Fenster. Menschen aus Orten in der ganzen DDR waren im Oktober, November 1989 auf den Beinen. Foto: Thomas Türülümow

Vor 20 Jahren - in alten Zeitungen geblättert

Interessante Gestaltung der "Freien Erde" am Montag, 6. November, dem Tag nach dem Samstag (4.11.), als in Berlin die größte freiwillige Demonstration in der DDR-Geschichte stattfand. Wer gedacht hätte, dass die Redaktion damals mit dem Thema auf Seite 1 aufmachte, irrt: Etwa 60 Zeilen wurde ein Bericht samt zweispaltigem Foto im Keller gebracht. Auf dem Bild ein Plakat: "Keine Gewalt! Wir bleiben hier!" Im Text gibt es keine Hinweise auf die Namen der Redner, keine Zitate aus Reden geschweige denn die Tatsache, dass Schabowski und Markus Wolf ausgepfiffen wurden.
Aufmacher war übrigens ein Beitrag unter der Überschrift: "Erneuern, demokratisieren - das ist jetzt der Anspruch. Bezirksleitung Neubrandenburg der SED beriet ..."
Dafür gab es dann im Innenteil eine Nachricht, die zeigte, dass am Wochenende Menschen in fast der ganzen DDR auf der Straße waren:

Weitere Demonstrationen
Magdeburg: Am Sonnabend hatten auch Magdeburger Einwohner die schon lange geforderte Möglichkeit, Politiker und Staatsfunktionäre zur gesellschaftlichen Erneuerung zu befragen. Zu der Demonstration für Offenheit, Ehrlichkeit, gegen konjunkturelles Reformertum hatte der Bezirksvorstand Bildender Künstler aufgerufen. Nach Schätzungen der Veranstalter versammelten sich auf dem Domplatz 40.000 Bürger. Arnstadt: Mehrere tausend Demonstranten zogen durch das Zentrum von Arnstadt. Auf Transparenten forderten sie freie Wahlen, die Zulassung des "Neuen Forums", Pressefreiheit und den Rücktritt der Regierung.
Altenburg: Auf einer genehmigten Demonstration forderten 10000 bis 12000 Bürger ungehindertes Reisen und freie Wahlen. Potsdam: Mehrere tausend Bürger aus Potsdam und anderen Orten des Havelbezirkes beteiligten sich an einer genehmigten Demonstration'durch die Innenstadt. Röbel: Für eine demokratische Erneuerung und eine Wende in der Politik der DDR sprachen sich am Sonnabendnachmittag mehr als 3500 Einwohner der Kreisstadt in einer zweistündigen Demonstration aus.
Weitere Demonstrationen fanden in Rostock, Plauen, Suhl, Lauscha und Dresden statt.